Interviews

Sophie Hostettler ist seit Dezember 2016 Programmleiterin von TeleBielingue, durch und durch Bielerin und voller Tatendrang.

Sophie Hostettler

TeleBielingue hat einen runden Geburtstag – Cheers! Sind Sie in Feierlaune?

Immer wieder. Zurzeit überwiegt zwar die Arbeit, die nötig ist, um das Jubiläum über die Bühne zu bringen: Wir haben in diesem Jahr diverse Projekte geplant, um unserem Publikum etwas zurückgeben zu können und suchen den direkten Kontakt zu den Menschen aus unserer Region. Das gibt enorm viel zu tun. Das Feiern gehört aber auch dazu.

 

Wo drückt der Schuh?

Leider hat auch unser Tag nur 24 Stunden. Aufgrund des Jubiläums hat jedes Teammitglied zusätzliche Aufgaben zu erledigen – neben dem Tagesgeschäft. Auch wenn wir diesen Sommer drei grosse Aussenauftritte planen und mit «VOR 20 JAHREN» eine neue Sendung realisieren, müssen die Nachrichten täglich um 19:00 Uhr parat sein. Wir haben dafür zwar ein kleines zusätzliches Budget, aber nicht mehr Manpower zur Verfügung. Das Stresslevel ist hoch und es ist wichtig, dass wir die Freude an unserer Arbeit nicht verlieren. Wir können das nur stemmen, wenn alle mithelfen. Das passiert auch und dafür bin ich sehr dankbar.

 

Sie sind das dritte Jahr Programmleiterin von TeleBielingue. In dieser Zeit hatten Sie und Ihr Team einige Herkules-Aufgaben zu meistern...

Ja, zum Beispiel die technische Umstellung auf HD, die Berichterstattungen über die Abstimmungen zur Jurafrage oder zur No-Billag-Initiative. Vieles läuft parallel und es ist schwer zu sagen, was nun die bislang grösste Herausforderung war. Für mich persönlich waren es wohl die Sparmassnahmen, die es in meinem ersten Jahr umzusetzen galt. Ich habe nächtelang am Budget gearbeitet und mir den Kopf darüber zerbrochen, wie ich Geld einsparen kann, ohne dass das Personal darunter leidet. Ich konnte kaum mehr schlafen – ein harter, aber lehrreicher Einstieg.

 

Was haben Sie sich von Ihren VorgängerInnen abgeschaut?

Das ist schwierig zu sagen, denn ich finde, frischer Wind tut immer gut. Aber ich habe wohl unbewusst Dinge übernommen. Etwa die Arbeitsweise in einem zweisprachigen Umfeld. Bilingues Fernsehen zu machen ist sehr aufwändig. Arbeitsschritte, die zunächst umständlich auf mich wirkten, entpuppten sich dann doch als einfachster Weg zum Ziel.

 

Bereits vor TeleBielingue waren Sie über 10 Jahre vor und hinter der Kamera tätig, u.a. bei TeleBärn. Was hat Sie zum Fernsehen gebracht?

Ich habe Medienwissenschaften studiert und gemäss Studienplan war ein Praktikum vorgesehen. So bin ich beim Lysser Lokalfernsehen «Loly» gelandet. Die flexiblen Arbeitszeiten dort waren einfach so gäbig, um Studium, Praktikum, Nebenjob und die Erziehung meiner damals noch kleinen Tochter unter einen Hut zu bringen (lacht). Ich bin neugierig, will Zusammenhänge verstehen und den Sachen kritisch auf den Grund gehen. Als ich dann gelernt habe, Geschichten und journalistische Inhalte in Bewegtbildern zu erzählen, hat es mir den Ärmel endgültig reingezogen.

 

Sie sind zweisprachig aufgewachsen. Bei TeleBielingue sollten Sie sich also in puncto Kommunikation wie zu Hause fühlen...

Es ist sehr heimelig! Meine Eltern sind beide aus Biel. Bis ich vier Jahre alt war, habe ich nur Französisch gesprochen. Dann hat mein Vater angefangen, Deutsch mit mir zu reden und so bin ich später auch zur Schule gegangen. Französisch ist aber meine Herzenssprache: Ich denke auf Deutsch, träume und fluche auf Französisch!

 

Ihre Tochter ist jetzt im Teenager-Alter. Wie oft schaut sie TeleBielingue?

Sie schaut ab und zu, wenn sie von Kolleginnen auf einen bestimmten Beitrag aufmerksam gemacht wird. Aber sie zählt nicht zu unserem Stammpublikum. Das erwarte ich auch nicht.

 

Die Zuschauerinnen und Zuschauer von TeleBielingue sind im Durchschnitt deutlich älter. Wie gewinnen Sie die nächste Generation als Stammpublikum?

Grundsätzlich verändern sich unser Publikum und dessen Verhalten gerade stark. Es gibt nicht mehr nur das klassische TV-Publikum, das zu Hause vor dem Fernseher sitzt. Viele Menschen schauen sich die Nachrichten online an oder folgen uns auf Facebook und Instagram, wo sie direkt auf unsere Beiträge reagieren können. In meinen Augen ist es wichtig, dass die Leute aus der Region TeleBielingue kennen und bei Informationsbedarf auf uns zurückgreifen.

Für junge Menschen ist unser Festival-TV «VIBRATION» spannend, die Sportsendung am Sonntag oder das Hockeymagazin. Ausserdem arbeiten wir vermehrt mit Schulen zusammen! Aktuell realisiert die Abschlussklasse der Schule Balainen Nidau eine Serie mit TeleBielingue, die wir Ende Juni 2019 ausstrahlen werden.

 

Die Konkurrenz in der Medienlanschaft ist gross. Weshalb überlebt TeleBielingue weitere 20 Jahre?

Weil wir zweisprachig sind! Das alleine reicht nicht, natürlich, aber es macht uns einzigartig. Ausserdem sind wir in der Region hervorragend verankert – und Regionales wird wieder beliebter. Manchmal ist unsere Welt fast zu gross geworden, denke ich. Die Menschen haben das Bedürfnis, zu verstehen, was bei ihnen zu Hause passiert.

 

Bei Ihrem Stellenantritt haben sie im Interview mit dem Bieler Tagblatt gesagt: «Wir müssen vorwärtsmachen, ein Dahinplätschern akzeptiere ich nicht»...

Das habe ich echt so gesagt?! (lacht). Also ich bin heute sehr zufrieden, wir sind immer in Bewegung und haben viel kreatives Potenzial im Team. Vieles dauert länger, als ich möchte und dann werde ich etwas ungeduldig. Ich möchte aus unserem Team und dem Sender das Beste herausholen.

 

Haben Sie Zukunftspläne für den Sender?

Ja, sehr viele, sie zu realisieren braucht einfach Zeit und Hartnäckigkeit. Statt grosser Paukenschläge passen wir Programm und Auftritt in sanften, aber stetigen Schritten an. Ich möchte, dass die Leute uns eine Chance geben. Damit wir besser werden können, investieren wir in die Aus - und Weiterbildung des Teams und bieten regelmässig Workshops an. Mein Fernziel ist, dass wir jeden Abend live senden können!

 

Was möchten Sie den TeleBielingue-ZuschauerInnen noch sagen?

Merci tuusig!


TeleBielingue wurde von der Groupe Gassmann, die das Bieler Tagblatt und das Journal du Jura herausgibt, dem Büro Cortesi und Radio Canal 3 gegründet. Ein Gespräch mit Marc Gassmann und Mario Cortesi, dem VR-Präsidenten und Vize-Präsidenten Ihres Regionalfernsehens.

Die Gründer der Gassmann Groupe

Die Wochenzeitung Biel Bienne und das Bieler Tagblatt/Journal du Jura sind seit jeher Konkurrenten. Wie hat sich zu Beginn von TeleBielingue die Zusammenarbeit gestaltet?

Marc Gassmann:

Sehr positiv. Wir waren es nicht gewohnt, zusammenzuarbeiten. Aber die Idee, einen regionalen Fernsehsender ins Leben zu rufen, hat uns einander nähergebracht.

Mario Cortesi:

Jeder für sich hätte es nicht geschafft. Wir haben ausserdem Canal 3 ins Boot geholt. Nur im Team hatten wir die Chance, eine Konzession zu erhalten.

Marc Gassmann:

Ausserdem hatte auch TeleBärn ein TV-Projekt für Biel. Allerdings konnte und wollte dieses Team kein zweisprachiges Programm. Wir haben uns gesagt: «Das ist unser Zuhause – Wir kennen die Journalisten und die Region».

Mario Cortesi:

Das war unsere Chance. Wir sind bilingue und aus Biel, während TeleBärn einen anderen Teil des Kantons repräsentiert.

 

Wie verläuft Ihre Zusammenarbeit heute?

Mario Cortesi:

Aussergewöhnlich gut. In zwanzig Jahren und unzähligen Sitzungen gab es kein einziges Mal einen Streit. Wir vertreten stets dieselbe Meinung. Das ist wohl einzigartig auf dieser Welt! Wir waren Konkurrenten, haben uns dennoch gefunden und ziehen am selben Strang.

Marc Gassmann:

Zu Beginn war das nicht selbstverständlich. Aber wir haben eine gute Aufgabenteilung gefunden: Das Büro Cortesi kümmert sich um den kreativen Teil. Es hilft bei den Castings und entwickelt Ideen für neue Sendungen. Wir hingegen sind verantwortlich für die Finanzen, die Organisation und das Marketing. So funktioniert es prima.

 

Das liebe Geld war immer ein Thema. Hatten Sie nie Angst vor dem finanziellen Risiko?

Marc Gassmann:

Sicher. Es gab im Grunde genommen zwei grosse Hürden. Zu Beginn mussten wir das BAKOM überzeugen. TeleBielingue musste diverse Kriterien erfüllen, um eine Sendeerlaubnis und Subventionen zu erhalten: vertretbare Löhne, Programmraster und Konzept, lokale Themen und eine zweisprachige Berichterstattung. Die No-Billag-Initiative war für unseren Sender die zweite grosse Hürde. Wäre sie angenommen worden, hätte dies für uns das Aus bedeutet.

Mario Cortesi:

...und wir haben nicht von Beginn weg vom Gebühren-Splitting profitiert. Das hat Jahre gedauert. Während den ersten Jahren mussten wir mit Werbeeinnahmen, unseren eigenen Rücklagen und Bankkrediten arbeiten. Wir haben bescheiden angefangen, in den Räumen der ehemaligen Drahtzieherei. Ein grosses Studio ist nicht dringelegen.

Marc Gassmann:

Auch heute müssen wir bescheiden sein. Die Marktsituation ist schwierig. Bei den Werbeeinnahmen kann unsere Region nicht mit Zürich, Basel oder Bern mithalten. Die Produktionskosten sind in den letzten Jahren enorm gestiegen und für uns höher als für andere TV-Sender, weil wir eben zweisprachig senden.

Mario Cortesi:

Genau, die Zweisprachigkeit bringt uns in puncto Werbeeinnahmen aber keinen Vorteil.

 

Hat die Devise «Small is beautiful» auch heute noch ihre Gültigkeit?

Marc Gassmann:

Wir haben unsere Organisation immer unseren Mitteln angepasst und das funktioniert recht gut.

Mario Cortesi:

An Verbesserungsvorschlägen und neuen Ideen mangelt es gewiss nicht. Aber wir sagen uns immer: «Bevor wir eine Sendung realisieren können, muss deren Finanzierung stehen. Wir brauchen Sponsoren». Wir haben keine finanziellen Reserven und treffen unsere Entscheidungen mit der nötigen Vorsicht.

 

Wird die finanzielle Situation in weiteren 20 Jahren unverändert bleiben?

Marc Gassmann:

Schweizweit wird immer weniger Werbung geschaltet. Ich befürchte also, dass es noch schwieriger werden könnte. Bereits heute machen regionale Unternehmen lieber online Werbung und sogar die grossen Firmen verzichten darauf, mit den lokalen Medien zusammenzuarbeiten. Wir wollen unsere Präsenz im Internet verbessern und nehmen uns unsere KollegInnen von Canal3 zum Vorbild. Sie sind in den sozialen Medien erfolgreich aktiv und dort sehen wir auch für TeleBielingue Potenzial. Um Werbeplätze zu verkaufen, brauchen wir ein interessantes Angebot, auch wenn wir mit den ganz Grossen nicht mithalten können.

 

Sehen Sie für TeleBielingue dennoch eine positive Zukunft?

Mario Cortesi:

Unser Programm bietet viel für unsere Region. Wir berichten über das, was um uns herum geschieht. Nationale Themen werden bereits von anderen Sendern abgedeckt. Solange wir uns auf unsere Umgebung konzentrieren, werden sich die Leute aus der Region für uns interessieren. Berichten wir zum Beispiel vom Lauberhornrennen, haben das die meisten Leute schon gesehen. Berichten wir aber von einem Unfall in Pieterlen, sind wir exklusiv. Das ist essentiell. Regionales erhält wieder einen grösseren Stellenwert und TeleBielingue ist in unserer Region einzigartig.

Marc Gassmann:

Denkbar wäre auch, in Zukunft die Zusammenarbeit mit der SRG zu vertiefen. Wir sind dazu prädestiniert, eine Art Korrespondentenrolle zu übernehmen. Wir kennen Biel, das Seeland und den Berner Jura und sind stets vor Ort.

Mario Cortesi:

Am Anfang hat man uns vorgeschlagen, auch Erotikformate ins Programm aufzunehmen, wie das TeleBärn vorgemacht hat. Das haben wir immer abgelehnt. Wir wollten nie die Sex-Karte ausspielen, um mehr Zuschauer zu gewinnen. Wir sind unserem Konzept treu geblieben und das schätzt unser Publikum. Dass wir seit kurzem unsere Nachrichten untertiteln, ist für mich eine wichtige Entwicklung! Auf diese Weise können Menschen, die nicht gut hören oder kein Berndeutsch verstehen, unserer Sendung folgen. Wir streben an, in Zukunft nicht nur die Nachrichten, sondern sämtliche Formate untertiteln zu können.

 

Schauen Sie persönlich jeden Abend TeleBielingue?

Marc Gassmann:

Nicht ganz. Ich würde sagen, zweimal pro Woche.

Mario Cortesi:

Ich fünf- bis sechsmal. Ich reklamiere auch ab und zu!